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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Einsteins Gegner


Bauhof
25.07.10, 11:27
Hallo zusammen,

hier etwas Nachdenkliches, aber auch etwas zum Schmunzeln: Eine Renzension zum Buch "Einsteins Gegner":

Die Motive der Welträtsellöser: http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1038097

Die "Welträtsellöser" erklären, wie sich das Problem des freien Willens dank Quantenmechanik und Entropiesatz in Wohlgefallen auflöse – oder warum die Relativitätstheorie doch nicht stimme. Nur wage es niemand, diese Wahrheit auszusprechen. Niemand außer den "Welträtsellösern", versteht sich.

M.f.G. Eugen Bauhof

P.S. Irgendwie kommt mir das bekannt vor...;)

Jogi
25.07.10, 12:21
Hallo Eugen.

Ich denke man muß zwischen verschiedenen Gruppen der Einsteinkritiker unterscheiden.
In dem von dir verlinkten Text heisst es u. A.:

Allerdings blendet die Autorin die allgemeine politische und gesellschaftliche Entwicklung der Jahre, über die sie schreibt, komplett aus. Und das ist für die Zeit nach 1919, als Einstein durch die Sonnenfinsternis- Beobachtungen der Royal Society auf einen Schlag weltberühmt wurde, ein schweres Manko. Viele Zeitgenossen stießen sich nicht nur an der Relativitätstheorie, sondern auch daran, dass ihr Schöpfer Jude war und obendrein politisch links stand.
Es gibt leider heutzutage immer noch ein große Zahl an "Einsteinwiderlegern", deren Tun zuallervörderst politischen, religiösen und rassistischen Motiven folgt.
Dass sich in deren Fahrwasser die naiven "Modellbauer" sammeln, ist ein Tragikum, das die Erstgenannten jedoch meist geschickt auszunutzen wissen.
(Ich nenne hier absichtlich keine Namen, um dieses Geschmeiss nicht über Suchmaschinentreffer anzulocken.)

Eine weitere Gruppe derer, die der Relativitätstheorie mit Kritik begegnen, sind diejenigen, die sie sehr wohl verstanden haben,
sich aber nicht damit zufriedengeben, sondern weitergehende Fragen stellen (Was ist Raumzeit? Was krümmt sie? Wie?).
Und dies alles ohne jede andere Motivation als ausschliesslich der, die Welt verstehen zu wollen.
Mit diesen Leuten sollte man den Dialog aufrecht erhalten, anstatt sie in den braunen Sumpf zu stossen.


Gruß Jogi

EMI
25.07.10, 13:21
"Welträtsellöser"
Hallo Bauhof,

siehe auch:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kritik_an_der_Relativit%C3%A4tstheorie
Daneben traten vor allem Kritiker auf (mit oder ohne physikalische Ausbildung), die sehr weit von den Inhalten der anerkannten akademischen Welt entfernt waren. Dabei handelte es sich meist um Personen, welche bereits vor der Veröffentlichung der Relativitätstheorie eigene Modelle entwickelt hatten, die auf eine einfache Weise einige oder gar alle Rätsel der Welt lösen sollten. Wazeck führte für diese „freien Forscher“ wie Hermann Fricke, Rudolf Mewes, Johann Heinrich Ziegler, Arthur Patschke usw. den Begriff „Welträtsellöser“ ein. Deren Ansichten und Modelle hatten ihre recht unterschiedlichen Wurzeln meist im Monismus, Lebensreform oder Okkultismus. Ihre Methoden waren dadurch gekennzeichnet, dass sie praktisch die gesamte Terminologie als auch die (vorwiegend mathematischen) Methoden der Fachwelt ablehnten. Ihre Arbeiten veröffentlichten sie meist in privaten Verlagen, sowie populärwissenschaftlichen oder fachfremden Zeitschriften. Für viele Welträtsellöser (besonders den Monisten) war der Versuch bezeichnend, möglichst alle Phänomene durch anschauliche mechanische (oder elektrische) Modelle zu erklären, was auch in ihrer Verteidigung des Äthers Ausdruck fand. Wie einige Experimentalphysiker lehnten sie folglich die Unanschaulichkeit der Relativitätstheorie ab, welche als spitzfindige Rechnerei eingeschätzt wurde, die die wahren Ursachen hinter den Dingen nicht aufdecken könne....
Dabei ist das enorme Selbstvertrauen der Welträtsellöser bemerkenswert, welche nicht nur glaubten alle Rätsel gelöst zu haben, sondern auch die Erwartung hatten, sich in der Fachwelt schnell durchzusetzen, was allerdings nicht in Erfüllung ging.

Gruß EMI

PS: Irgendwie kommt mir das bekannt vor...;)

RoKo
25.07.10, 13:38
Hallo zusammen,

P.S. Irgendwie kommt mir das bekannt vor...;)

Die Existenz von "Welträtseln" - d.h. ungelöster wissenschaftlicher Fragen ist angesichts des anhaltenden Interpretationsstreites in der Quantentherorie oder der Annahme von völlig Ungeklärtem wie Dunkle Materie und Dunkle Energie offensichtlich. Die möglichen Antworten auf diese Fragen berühren darüber hinaus tausendjährige philosophische Streitfragen. Solange es also "Welträtsel" gibt, wird es Menschen geben, die nach Lösungen suchen.

Es ist daher kein Wunder, Eugen, wenn dir das in diesem Forum irgendwie bekannt vorkommt.

Bauhof
25.07.10, 14:04
Eine weitere Gruppe derer, die der Relativitätstheorie mit Kritik begegnen, sind diejenigen, die sie sehr wohl verstanden haben,
sich aber nicht damit zufriedengeben, sondern weitergehende Fragen stellen (Was ist Raumzeit? Was krümmt sie? Wie?). Und dies alles ohne jede andere Motivation als ausschliesslich der, die Welt verstehen zu wollen. Mit diesen Leuten sollte man den Dialog aufrecht erhalten, anstatt sie in den braunen Sumpf zu stossen. Gruß Jogi

Hallo Jogi,

ja, mit diesen Leuten sollte man den Dialog selbstverständlich aufrechterhalten, da stimme ich dir zu. Es ist aber nicht immer einfach, diese Gruppen zu unterscheiden.

Ich kenne z.B. einen Crank, der ist Mathematiker und glaubt, mit rein mathematischen Argumenten die SRT widerlegen zu können.

M.f.G. Eugen Bauhof

Bauhof
25.07.10, 17:59
Hallo Eugen.
Ich denke man muß zwischen verschiedenen Gruppen der Einsteinkritiker unterscheiden.
Hallo Jogi,

zu welcher Gruppe würdest du z.B. den Dipl. Math. Peter Graf v. Ingelheim zählen, der behauptet, dass Einsteins SRT einen Widerspruch enthält und einen "Gegenbeweis SRT" publiziert, siehe hier:

http://www.ingelheim-consulting.de/Historie/MINKOW_1/minkow_1.HTM

Seine Schlussfolgerung:

Also muß die als wahr angenommene Grundannahme der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit in allen Inertialsystemen (das logisch nicht beweisbare Grundaxiom der SRT) falsch sein.

M.f.G. Eugen Bauhof

EMI
25.07.10, 18:17
Hallo Jogi,
zu welcher Gruppe würdest du z.B. den Dipl. Math. Peter Graf v. Ingelheim zählen...
Ich würde ihn zur Gruppe der Welträtsellöser zählen.
Jogi Du auch?

Gruß EMI

Eyk van Bommel
25.07.10, 19:30
Ich würde ihn zur Gruppe der Welträtsellöser zählen.
Fehlt da nicht ein::D :p oder ;)

Ein :eek: :confused: von mir
Gruß
EVB

Jogi
25.07.10, 19:55
Hallo.




zu welcher Gruppe würdest du z.B. den Dipl. Math. Peter Graf v. Ingelheim zählen, der behauptet, dass Einsteins SRT einen Widerspruch enthält und einen "Gegenbeweis SRT" publiziert, siehe hier:

http://www.ingelheim-consulting.de/Historie/MINKOW_1/minkow_1.HTM



Okay, ich hab' mir die Website von v. Ingelheim mal ein bißchen angesehen.
Dabei entstand bei mir der Eindruck, dass da jemand gerne Ideen zu Geld machen möchte, was aber offenbar nicht so recht klappt, aus welchen Gründen auch immer.

Bei seinen Ausführungen zur SRT fällt mir auf den ersten Blick folgendes auf:
Er führt das Hafele-Keating Experiment an, und dessen Übereinstimmung mit den Vorhersagen der SRT.
Gleich darauf lässt er einen scheinbaren Widerspruch dazu in der SRT entstehen, anhand von drei zueinander bewegten Inertialsystemen!
Was ihm dabei zu entgehen scheint, ist der Umstand dass gerade wegen der Invarianz der Lichtgeschwindigkeit die bewegten Uhren die vorhergesagte Zeitdifferenz aufweisen.
Atomuhren zählen Phasenübergänge, die mit Lichtgeschwindigkeit ablaufen.
Werden identische Uhren unterschiedlichen Beschleunigungen und/oder Grav.-Potentialen ausgesetzt, verlangsamen sich in der jeweils stärker bewegten/beschleunigten Uhr alle Abläufe in Relation zur anderen.
Beide Effekte wurden bei Hafele-Keating berücksichtigt und hervorragend bestätigt.


Nach den Formeln für die relativistische Addition aber muß für den linken Beobachter die Zeit im Mittensystem langsamer vergehen als im eigenen, aber schneller als im rechten.Also muß für den linken Beobachter die Zeit viel langsamer vergehen als im eigenen System:confused: :confused: :confused:
Vergißt er hier absichtlich anzuschreiben, in welchem System die Zeit für den linken Beobachter dilatiert ist?
Um hier schon den Eindruck eines inneren Widerspruchs zu erwecken?

Für den Mittenbeobachter gilt: t(mitte) >t(rechts)=t(links)

Für den linken Beobachter gilt: t(links) > t(mitte) > t (rechts)

Es gilt somit nicht die Transitivität von Beziehungen, die aber die SRT unterstellt.
Diese Schlussfolgerung ist doch einfach nicht wahr!

Und diese hier wird tagtäglich in der Praxis widerlegt:
Also muß die als wahr angenommene Grundannahme der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit in allen Inertialsystemen (das logisch nicht beweisbare Grundaxiom der SRT) falsch sein.

Lösungen für Welträtsel sehen anders aus.

v.Ingelheims Motivation scheint mir schlicht und einfach wirtschaftlicher Natur zu sein, er will sein Buch verkaufen.


Gruß Jogi

P.S.:
Als experimentelle Widerlegung der Invarianz führt er auch noch das Nimtz Experiment an.
Das jedoch zeigt nur den Effekt der anomalen Dispersion, die innerhalb des Wellenpakets durchaus mit v>c ablaufen kann.
Die Wellenfront hält sich stets an c, auch bei Nimtz.

Hawkwind
27.07.10, 14:52
Also muß die als wahr angenommene Grundannahme der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit in allen Inertialsystemen (das logisch nicht beweisbare Grundaxiom der SRT) falsch sein.



Da liegt ein grundsätzliches Missverständnis vor: es ist zwar richtig, dass die Postulate der Physik, von denen die Invarianz von c eines ist, nicht beweisbar sind, aber man postuliert da nicht mal irgendwas. Die Postulate der Physik basieren vielmehr auf Beobachtungen; es wäre also den Experimenten vorbehalten, die Invarianz von c zu widerlegen und nicht irgendwelchen Theoretikern.

EMI
27.07.10, 15:34
Also muß die als wahr angenommene Grundannahme der Konstanz der Lichtgeschwindigkeit in allen Inertialsystemen (das logisch nicht beweisbare Grundaxiom der SRT) falsch sein.
Ich denke, der Mann weiß nicht mal ansatzweise auf welcher Grundannahme die SRT überhaupt beruht.

EINSTEIN's Motivation war, die klassische Mechanik (KM) und die Elektrodynamik unter einen Hut zu bringen!
Was war der Unterschied von diesen Beiden?
Die Elektrodynamik hatte eine Grenzgeschwindigkeit, nämlich c, und die KM hatte keine, v=∞

Was postulierte EINSTEIN also? Die KM hat auch eine Grenzgeschwindigkeit, nicht mehr und nicht weniger. Das war schon alles!
Er hat so etwas (Grenzen postulieren/auffinden) sehr oft mit Erfolg gemacht.

Er hat eine und nicht 2...3...4 oder viele Grenzgeschwindigkeiten angenommen, was ja wohl logisch ist. Anders wäre es ja Mumbitz!
Wenn man eine Grenzgeschwindigkeit annimmt dürfte wohl klar sein, dass es immer dieselbe ist.
Immer dieselbe ist halt konstant.

Sein Schluß, das diese Grenzgeschwindigkeit auch dieselbe wie in der Elektrodynamik ist, nämlich c, ist wohl auch nicht besonders weltfremd.
Warum sollte die Grenzgeschwindigkeit in der KM auch eine andere sein wie die in der Elektrodynamik??
EINSTEIN wollte ja gerade diesen unnatürlichen Unterschied ausräumen.
Was ihm übrigens mit der SRT glänzend gelungen ist!

Gruß EMI

Bauhof
27.07.10, 16:51
Da liegt ein grundsätzliches Missverständnis vor: es ist zwar richtig, dass die Postulate der Physik, von denen die Invarianz von c eines ist, nicht beweisbar sind, aber man postuliert da nicht mal irgendwas. Die Postulate der Physik basieren vielmehr auf Beobachtungen; es wäre also den Experimenten vorbehalten, die Invarianz von c zu widerlegen und nicht irgendwelchen Theoretikern.
Hallo Hawkind,

richtig, in diesem Sinne habe ich Peter Graf v. Ingelheim bereits vor etlichen Jahren bei einer Diskussion im Physik-Forum bei "Wissenschaft-Online" entsprechende Hinweise zukommen lassen.

Aber solche "Einstein-Widerleger" und "Welträtsellöser" sind offenbar unbelehrbar, denn jetzt steht seine "Widerlegung" in anderer Form immer noch auf seiner Seite.

M.f.G. Eugen Bauhof

Hawkwind
27.07.10, 17:50
Hallo Hawkind,

richtig, in diesem Sinne habe ich Peter Graf v. Ingelheim bereits vor etlichen Jahren bei einer Diskussion im Physik-Forum bei "Wissenschaft-Online" entsprechende Hinweise zukommen lassen.

Aber solche "Einstein-Widerleger" und "Welträtsellöser" sind offenbar unbelehrbar, denn jetz steht séine "Widerlegung" in anderer Form immer noch auf seiner Seite.

M.f.G. Eugen Bauhof

Eugen, auch nach meinen Erfahrungen ist "Zuhören" nicht die Stärke der meisten Kritiker. Deshalb lohnen solche Diskussionen meist nur, um ggf. verwirrte Mitleser aufzuklären, aber den "Meister" selbst erreicht man so i.d.R. nicht.

Eyk van Bommel
27.07.10, 22:47
Ich denke, der Mann weiß nicht mal ansatzweise auf welcher Grundannahme die SRT überhaupt beruht.
Abgesehen davon „widerlegt“ er damit auch das Modell von Lorentz. Somit landet er mit seiner Vorstellung vor 1900? Nichts seit den letzen 100 Jahren Fußte damit auf der richtigen Mathematik.

Gruß
EVB

Bauhof
28.07.10, 08:48
Abgesehen davon „widerlegt“ er damit auch das Modell von Lorentz. Somit landet er mit seiner Vorstellung vor 1900? Nichts seit den letzen 100 Jahren Fußte damit auf der richtigen Mathematik. Gruß EVB
Hallo Eyk van Bommel,

dass du von mir wenig Antworten erhälts, "fußt" auch darauf, dass du für mich oft in Rätseln sprichts.

Zum Beispiel versteh ich deinen letzten Satz nicht:

Nichts seit den letzen 100 Jahren Fußte damit auf der richtigen Mathematik.

Was willst du damit zum Ausdruck bringen?

Außerdem unterstützt Peter Graf v. Ingelheim auf seiner Seite die Lorentzianische Interpretation der SRT, falls ich mich richtig erinnere.

M.f.G. Eugen Bauhof

Eyk van Bommel
28.07.10, 13:05
Außerdem unterstützt Peter Graf v. Ingelheim auf seiner Seite die Lorentzianische Interpretation der SRT, falls ich mich richtig erinnere.
Das würde mich nicht wundern – nur deswegen (aus dem Verdacht heraus) habe ich es erwähnt.:) Ich glaube ihm ist nicht klar, dass das Ergebnis, dass er da so ankreidet ja schließlich über Lorentz-Transformationen berechnet wird?

A.E. und Lorentz stritten sich ja nicht um die Mathematik, sondern um die Interpretation.

Daher …
Nichts seit den letzen 100 Jahren Fußte damit auf der richtigen Mathematik.
Denn die Interpretation ist das eine – aber ihn stört ja das Ergebnis. Und das Ergebnis resultiert in seinem Beispiel aus der Lorentz-Transformation die seit 1900 angewendet wird.
dass du von mir wenig Antworten erhälts, "fußt" auch darauf, dass du für mich oft in Rätseln sprichts.
Sorry.

Gruß
EVB