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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Physikprüfung an der Universität von Kopenhagen


Hawkwind
01.12.11, 19:09
Wahrscheinlich kennt der Eine oder Andere von euch das schon:


Physikprüfung an der Universität von Kopenhagen; Aufforderung an den Prüfling:

"Beschreiben Sie bitte, wie man die Höhe eines Wolkenkratzers mit Hilfe eines Barometers feststellen kann."

Der Prüfling antwortet:

* "Sie befestigen ein langes Stück Schnur am Rand des Barometers und lassen das Barometer dann vom Dach des Wolkenkratzers zum Boden hinunter. Die Länge der Schnur plus die Höhe des Barometers entspricht der Höhe des Gebäudes."

Die Antwort entrüstet die Prüfer; sie wollen den Prüfling durchfallen lassen. Der Prüfling beschwert sich mit der Begründung, dass seine Antwort doch eindeutig korrekt sei.

Der Einspruch des Prüflings wird akzeptiert, allerdings wird bemängelt, dass die vorgetragene Lösung kein spezielles Physikwissen beweise. Der Prüfling wird um eine 'passendere' Antwort gebeten. Hierfür bekommt er eine mehrere Minuten dauernde Überlegungszeit eingeräumt.

Der Prüfling nutzt die Überlegungsfrist bis zum Schluss; er scheint intensiv nachzudenken. Dann meint er, dass er mehrere Antwortmöglichkeiten gefunden habe, er aber unsicher sei, welche Antwort denn nun von ihm erwartet werde. Sichtlich genervt fordern die Prüfer den Prüfling auf, endlich seine Lösungen vorzutragen.

1. "
Sie könnten das Barometer vom Dach des Wolkenkratzers fallen lassen und die Zeit messen, die es braucht, um den Boden zu erreichen. Die Höhe des Gebäudes können Sie dann mit der Formel H=0.5g x t im Quadrat berechnen. Das Barometer wäre allerdings zerstört.
2. Falls die Sonne scheint, könnten Sie die Höhe des Barometers messen, es hochstellen und die Länge seines Schattens messen. Dann messen Sie die Länge des Schattens des Wolkenkratzers. Anschließend ist es eine einfache Sache, anhand der proportionalen Arithmetik die Höhe des Wolkenkratzers zu berechnen.

3. Wenn Sie jedoch besonders wissenschaftlich vorgehen wollten, könnten Sie ein kurzes Stück Schnur an das Barometer binden und es schwingen lassen wie ein Pendel, zuerst auf dem Boden und dann auf dem Dach des Wolkenkratzers. Die Höhe entspricht der Abweichung der gravitationalen Wiederherstellungskraft T=2pi im Quadrat (l/g).

4. Sofern das Gebäude eine außen angebrachte Feuertreppe besitzt, könnten Sie seine Höhe dadurch ermitteln, dass Sie die Barometerhöhe anlegen (wie einen Zollstock) und die Anzahl der Barometerlängen ermitteln. (Barometerlänge mal Anzahl = Höhe des Bauwerkes)

5. Wenn Sie lediglich eine langweilige orthodoxe Lösung wünschen, dann können Sie das Barometer benutzen, um den Luftdruck auf dem Dach des Wolkenkratzers und auf dem Boden zu messen und aus dem Unterschied in Millibar die Höhe des Gebäudes ableiten.

6. Da wir aber ständig aufgefordert werden, unseren Verstand zu nutzen, wäre es sinnvoller, einfach den Hausmeister zu befragen und ihm als Dankeschön das Barometer zu schenken."

Der Prüfling war Niels Bohr, der erste Däne, dem der Nobelpreis für Physik zugesprochen wurde.

Benjamin
01.12.11, 19:37
Ja, die Geschichte kenne ich. Sehr amüsant. Woher hast du sie?

Ich frage, weil ich auch schon gehört habe, dass das einfach nur ein Witz ist, und Niels Bohr das niemals wirklich gesagt haben soll.

Hawkwind
01.12.11, 21:54
Hatte mir meine Frau gerade aus einem ihrer zahllosen Bücher vorgelesen. Ich fand es ganz amüsant, war aber zu faul zum abtippen und habe es dann hier
http://www.gedaechtnistraining.biz/Schule/Nils_Bohr.htm
er-googelt.
Ob's wahr ist ... .
Gruß,
Uli

Benjamin
01.12.11, 22:16
Sollte ich mich recht erinnern, war die Hauptfigur dieser Anekdote, als ich sie zum ersten Mal hörte, nicht Bohr sondern Wolfgang Pauli. Aber egal, über Pauli gibt es ohnehin genug amüsante Geschichten, wie zB diese auf Wikipedia:

Was Physik betrifft, war Pauli als Perfektionist bekannt. Dies beschränkte sich nicht nur auf seine eigene Arbeit, sondern er geißelte auch Fehler seiner Fachkollegen unerbittlich. So wurde er zum Gewissen der Physik, bezeichnete Arbeiten oft unverblümt als „ganz falsch“ oder steigerte seine Ablehnung etwa wie folgt: „Das ist nicht nur nicht richtig, es ist nicht einmal falsch!“. In Kollegenkreisen kursierten deshalb Witze wie etwa der folgende: Nach Paulis Tod gewährte Gott ihm eine Audienz. Pauli fragte Gott, warum die Feinstrukturkonstante den Wert 1/137 habe. Gott nickte, ging zur Tafel und begann, Gleichung nach Gleichung in rasender Geschwindigkeit abzuleiten. Pauli sah zunächst mit großer Genugtuung zu, aber bald schon begann er heftig und entschieden, seinen Kopf zu schütteln ...

Es gibt sogar einen ihm zu Ehren benannten Pauli-Effekt (http://de.wikipedia.org/wiki/Pauli-Effekt). Sehr lesenswert dieser Wikipedia-Artikel!

okotombrok
02.12.11, 00:01
Hallo Hawkwind,

wirklich köstlich die Anekdote aus Kopenhagen – ich kannte sie noch nicht.

Mir ist aber noch eine 7. Möglichkeit eingefallen, die Höhe eines Hochhauses mittels eines Barometers zu bestimmen:

Ich gehe von einem gewöhnlichen runden Barometer mit Zeigerdarstellung aus. Wir hängen das Barometer derart an ein kurzes Seil auf, dass der Zeiger im Winkel von 45 Grad zum Boden steht. (das sollte mit Hilfe der Skaleneinteilung kein Problem darstellen) Dann entfernen wir uns soweit vom Hochhaus bis der Zeiger auf die Spitze des Hochhauses zeigt. Nun messen wir mit Hilfe des Barometers, wie schon beschrieben wurde, die Entfernung zum Hochhaus. Diese Strecke ist dann gleich der Höhe desselben.

mfg okotombrok

richy
02.12.11, 00:28
Ich wuerde mit dem Barometer einfach die Auskunft anrufen.

Marco Polo
02.12.11, 00:51
Ich wuerde mit dem Barometer einfach die Auskunft anrufen.

Und du meinst das funktioniert? Mit meinem Barometer sehe ich da schwarz. :D

okotombrok
02.12.11, 01:32
Mit meinem Barometer sehe ich da schwarz. :D

Vorsicht!
GEZ liest mit.

Maxi
11.12.11, 18:45
Eine amüsante, charakteristisch Geschichte???
Eine Anekdote mag es wohl sein; doch entscheiden hätten dies nur diejenigen können, die mit Niels Bohr persönlich zusammengearbeitet hatten. Immerhin hatte Niels Bohr ja stets außergewöhnliche Lösungsvorschläge parat.

Es wurde die Frage angedeutet,
Ob's wahr ist ... .
ob sich diese Geschichte während einer Prüfung wohl tatsächlich so zugetragen haben könnte. Ich kann es mir jedenfalls beim besten Willen nicht vorstellen:
Niels Bohr, der doch nicht auf den Kopf gefallen war, hätte mit Sicherheit erfasst, wie die Frage von der Prüfungskomission gemeint war. Im Übrigen ist (war) in der Aufgabenstellung keine Rede davon, dass außer den wohl zugelassenen üblichen Hilfsmitteln (wie Schreibmaterial und Verstand) auch noch die Verwendung einer hinreichend langen Schnur, andere Personen, und, und, und ... erlaubt (gewesen) wären.

Daher finde ich -- sofern die angegebenen Lösungen gemeinhin akzeptiert werden -- richy's Lösungsvorschlag als den absolut genialsten:
Ich wuerde mit dem Barometer einfach die Auskunft anrufen.
Denn sie treibt, meiner Ansicht nach, die Pointe auf die Spitze.

Nicht weniger amüsant finde ich die Sache mit dem angeblichen "Pauli-Effekt".

Maxi