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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Neues Theorem zur Wellenfunktion und zugrundeliegender Realität


amc
16.05.12, 20:23
Hi,

wie versteht ihr folgenden Artikel:

http://www.spektrum.de/alias/quantenphysik/auftrieb-fuer-die-quantenrealitaet/1151810

Welchen Interpretationen würde widersprochen? Explizit auch Kopenhagen? So verstehe ich es jedenfalls bisher nicht. Es ist die Rede davon, dass epistemischen / subjektiven Interpretationen widersprochen würde.

Wie zuletzt festgestellt, kann man es so sehen, dass Kopenhagen nicht dazu zählt, man kann Kopenhagen zu einer ontologischen Interpretationen zählen:
http://de.wikipedia.org/wiki/De-Broglie-Bohm-Theorie#Determinismus
Vornehm ausgedrückt wird aus der ontologischen Unbestimmtheit der Quantenphysik eine „epistemische“ Unbestimmtheit in der De-Broglie-Bohm-Theorie.Die Unvorhersehbarkeit des Ergebnis des Quanten-Experiments beruht also nicht bloß auf einer Unkenntnis, sondern auf einem Nichtvorhandensein - erst durch den Akt der Messung/Beobachtung, im quantenphysikalischem Sinn, entsteht das Messresultat, so die übliche Sicht.

In dem Artikel ist die Rede davon, das Theorem widerspreche der Quantenmechanik, aber es würde nach meinem Verständnis doch "nur" epistemischen Interpretationen widersprechen, und sich damit neben anderen Theoremen einreihen!?

Es ist auch die Rede davon, dass Einsteins Realismus eine epistemische Interpretation darstellt, was ich nachvollziehen kann, aber dann wird gesagt, diese Interpretationen zeichnen sich durch die Behauptung aus, der Quantenzustand würde "grundlegend verändert, indem man ihn misst", und genau das geschieht, nach meinem Verständnis, bei solchen Interpretationen doch gerade eher nicht, dort ist die Messung doch eher ein Ablesen des Resultates/der Information, denn ein aktiver (wirklichkeitsschaffender) Eingriff.

Das die Bellsche-Ungleichung ...
[...] belegt, dass Theorien die Vorhersagen der Quantenmechanik nicht reproduzieren können, wenn darin nichts schneller als das Licht sein darf. Halte ich auch für zumindest unglücklich formuliert. Niemand weiß, ob es etwas gibt, was schneller als das Licht ist. Ein nichtlokaler Zusammenhang scheint bewiesen, daraus hat sich aber bisher noch kein Objekt ergeben, dem man eine Geschwindigkeit > c zusprechen muss. Aber das nur nebenbei.

Nur, gerade weil dieser nichtlokale Zusammenhang tatsächlich so besteht, wovon man ausgehen muss, dann widerspricht dies dem epistememischen Ansatz, und somit ist dann doch aber auch die Sicht bestätigt, den Akt der Messung als wirklichkeitsverändernden Eingriff zu sehen? Also die Messung an einem verschränkten Teilchen hat tatsächlich Einfluss auf das Verhalten des Verschränkungs-Partnerteilchen, was für Einstein sicher schwer war zu akzeptieren.

Mir scheint es, als würden die Dinge in dem Artikel gelegentlich ein wenig unsauber vertauscht. Oder verstehe ich unsauber?

Was gibt es sonst für Résumés zu dem Artikel, und der physikalischen Bedeutung und Tragweite des Theorems?

Mein Verstaendnis ist, das sowohl Kopenhagen, und andere moegliche ontologische Interpretationen, als auch realistische Interpretationen bestaetigt werden, die der Wellenfunktion als solches physikalische Realtitaet zusprechen.

Grüße, AMC

P.S. Sachlich und konstruktiv :rolleyes:

Hawkwind
16.05.12, 21:51
Welchen Interpretationen würde widersprochen? Explizit auch Kopenhagen? So verstehe ich es jedenfalls bisher nicht. Es ist die Rede davon, dass epistemischen / subjektiven Interpretationen widersprochen würde.


Ich lese auch


Da es mit der Quantenmechanik nicht kompatibel ist, wirft das Theorem zudem eine folgenschwere Frage auf: Ist die Quantenmechanik möglicherweise falsch?


Dann ginge es also nicht um Interpretationen sondern um die Quantenmechanik selbst.

Leider ist der Originalartikel nicht kostenlos und wir können nur lesen, was andere Leser glauben, verstanden zu haben.

___

Momang, jetzt habe ich doch eine kostenlose Version gefunden:
http://arxiv.org/pdf/1111.3328v2.pdf

RoKo
17.05.12, 03:12
Hallo amc,


.. Mir scheint es, als würden die Dinge in dem Artikel gelegentlich ein wenig unsauber vertauscht. ...


Ja, das ist so. Die Frage, ob die Wellenfunktion etwas physikalisch reales beschreibt, hat mit der Frage der Determiniertheit nichts zu tun.

Ich werde erst einmal den Link, den Hawkwind freundlicherweise eingestellt hat, durcharbeiten.

RoKo
18.05.12, 18:07
Hallo zusammen,

was die Autorem PBR mit ihrem Theorem tatsächlich zeigen (sofern es einer fachlichen Prüfung standhält) ist m.E., dass Zustände von Quantensystemen sich nicht überlappen können und dies gemäß dem quantenmechanischem Formalismus für ihr Gedankenexperiment auch vorhergesagt wird. Weil dies (kein Überlapp) auch für klassische Systeme gilt, schliessen sie daraus, dass Quantensysteme und deren Zustände real (=ein Teilelement der Natur) sein müssen, denn für reine Information gäbe es keinen angebbaren Grund, sich nicht zu überlappen.

Wie sie selbst schreiben, muss man ihre Schlussfolgerung nicht vollständig teilen:
Zitat von PBR (o.a.A.): For these reasons and others, many will continue to view the quantum state as representing information. One approach is to take this to be information about possible measurement outcomes, and not about the objective state of a system.

Von daher sind die Interpretation der QM nicht berührt; auch Kopenhagen 1.0 ist ebenfalls weiterhin konsistent. Vertreter dieser Interpretation müssen sich allerdings darüber die Konsequenz dieser Konsistenz im klaren sein:Zitat von [B]Prof. Suter (siehe hier, S.7 (http://e3.physik.uni-dortmund.de/~suter/vorlesung/Quantenmechanische_Paradoxa/4_Messungen.pdf)): Sie wird nur dadurch erreicht, dass man die Quantenmechanik im wesentlichen auf einen Satz von Algorithmen reduziert; ein eigentliches Verständnis für die Eigenschaften der Materie ist auf dieser Basis nicht möglich.

Die wesentliche Erkenntnis des PBR-Theorems ist also, dass sich quantenmechanische Systeme nicht überlappen können. Dies wusste allerdings auch schon Erwin Schrödinger (1935). Quantensysteme, die in Kontakt kommen, verschränken sich.