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Alt 27.04.19, 17:35
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TomS TomS ist offline
Singularität
 
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Standard AW: Messung oder Beobachtung (durch einen sich selbst Bewussten) für Kollaps verantw.

Zitat:
Zitat von chrisi79 Beitrag anzeigen
Ist eine Messung (z.B. ein Stoß mit einem Luftmolekül) oder eine Beobachtung (durch einen sich selbst bewussten Beobachter) für den Kollaps der Wellenfunktion bei Quanten verantwortlich?
Ein Stoß mit einem Luftmolekül ist sicher keine Messung; dabei erfolgt kein „Kollaps“; die Interferenzfähigkeit der Wellenfunktion bleibt bestehen. Eine Messung erfordert offenbar ein makroskopisches „Messgerät“.

Eine Beobachtung durch einen Beobachter ist nach orthodoxer Sichtweise eine Messung.

Zitat:
Zitat von chrisi79 Beitrag anzeigen
Wäre ja unglaublich, wenn Quanten ein Bewusstsein "spüren" könnten, wie es manche Dokus suggerieren.
Das Bewusstsein wurde immer wieder ins Spiel gebracht, sogar bei der ersten umfassenden Darstellung der Messprozesses durch von Neumann. Viele Physiker halten das für ein schwaches Argument; wie soll ein Bewusstsein - das wir noch nicht mal mathematisch definieren können - das Messproblem lösen?

Zunächst muss man sich überlegen, welche Rolle man der Wellenfunktion zuschreibt. Dabei gibt es zwei wesentliche Ansätze (+ diverse Spielarten)
A) die Wellenfunktion kodiert unser (maximal mögliches) Wissen über den Zustand eines Quantensystems oder eines Ensembles, und sie dient uns als Instrument zur Berechnung weiterer Messgrößen bzw. -ergebnisse
B) die Wellenfunktion kodiert den realen Zustand sowie die tatsächlich stattfindenden Prozesse eines Quantensystems

Im Falle von (A) entspricht der Kollaps letztlich der Anpassung der Wellenfunktion an user erweitertes Wissen im Zuge bzw. nach einer Messung. Das findet tatsächlich in unserem Bewusstsein statt, ist jedoch nicht mehr besonders aufregend. Das Problem von (A) ist, dass wir offenbar darauf verzichten, das reale System „an sich“ zu beschreiben.

Im Falle von (B) führt der Kollaps letztlich zu einem Widerspruch, da er der Dynamik der Schrödingergleichung widerspricht. Der Ausweg ist, dass eine Messung nicht zu unterscheiden ist von einer gewöhnlichen Wechselwirkung - was soll auch der Unterschied sein - dass die Messung ebenfalls der Dynamik der Schrödingergleichung folgt, und dass es keinen Kollaps gibt; letztlich führt das zur Everettschen „viele-Welten-Interpretation“. Das Problem von (B) ist, dass wir nun zwar das reale System „an sich“ beschreiben können, dies jedoch mit den „vielen Welten“ erkaufen.

Anyway - eine naive Interpretation, dass das Bewusstsein eines Beobachters zu einem realen Kollaps führt, nimmt heute kaum noch jemand ernst.
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«while I subscribe to the "Many Worlds" theory which posits the existence of an infinite number of Toms in an infinite number of universes, I assure you that in none of them am I dancing»
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