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Alt 17.10.19, 12:13
n4mbuG0t0 n4mbuG0t0 ist offline
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Standard AW: The Trouble with Many Worlds

Ich bin kein Experte auf dem Gebiet und habe derzeit auch nicht die Resourcen mich intensiver damit auseinanderzusetzen. Ich versuche mich daher kurz zu halten:

Der Zustand vor einer ersten Messung sei eine Superposition ( |v>=|a>+|b> ).

Laut KI ( = Koppenhagener Interpr.):

Zustand nach der Messung ist keine Superposition mehr (Entweder |a> oder |b>). Alle folgenden Wahrscheinlichkeiten sind daher beeinflusst ==> bedingte Wahrscheinlichkeiten.

MWI:

Zustand nach der Messung immernoch Superposition ( |v'>=U|v>=U|a>+U|b>).

Annahme: Erste Messung ergab |a> (für beide Experimentatoren (in KI Welt und MWI Welt)).

Nun erfolgt unmittelbar eine erneute Messung der selben Observable.

KI:

Zustand nach erster Messung ist |a> (durch Kollaps), Wahrscheinlichkeit erneut |a> zu Messen ist 1, was auch mit unserer Wahrnehmung übereinstimmt.

MWI:

Erste Messung ergab |a>, wir benutzen also den "Zweig" U|a> als Ausgangszustand, nur so erhalten wir ebenfalls Wahrscheinlichkeit 1.

S.H.'s Problem meiner Ansicht nach:
Der rot markierte Satz. Genauer: Wie ist es aus dem Formalismus zu rechtfertigen warum der MWI Experimentator nur U|a> benutzt um Wahrscheinlichkeit zu berechnen.

Meine kurze Antwort darauf:

Die erste Messung hat nicht den Zustand |a> gemessen, sondern den Zweig in welchem sich der Experimentator befindet genauer lokalisiert.

Etwas ausführlicher:

Bsp.: Wenn mein Detektor sagt ein Spin-1/2 Teilchen habe Spin up, dann sagt er mir eigentlich nur dass ich in dem Zweig bin in welchem das Teilchen Spin up hat.
Da ich nun weiß in welchem Zweig ich mich befinde, weiß ich auch dass eine unmittelbare, erneute Messung mit Wahrscheinlichkeit 1 den selben Spin wie bei der ersten Messung ergibt, denn der Detektor (U) spaltet hier nichts mehr auf, denn in meinem
Zweig gibt es die Superposition nicht mehr*. Ich benutze zur weiteren Berechnung nur noch den Zustand des Zweiges in welchem ich mich befinde.

* erneutes Anwenden von U auf "die WFKT des Universums" ändert in meinem Zweig gar nichts mehr.

S. H. nimmt hier meiner Meinung nach wieder einen "übergeordneten" Beobachter an, welcher beide Zweige nach der ersten Messung wahrnimmt, und genau da macht sie meiner Meinung nach einen Fehler. Den Experimentator, welcher nach der ersten Messung in beiden Zweigen existiert gibt es nicht. Es gibt keinen Experimentator der die gesamte WFKT. sieht, denn dieser müsste außerhalb dieser existieren. Die Existenz eines übergeordneten Experimentators wäre eine zusätzliche Annahme welche zwangsweise zum Kollaps führt, denn genau für diesen Experimentator wurde der Kollaps überhaupt erfunden. Die MWI lässt genau diese zusätzliche Annahme weg indem sie die WFKT als DAS real existierende Objekt ansieht (Detektor, Experimentator, Teilchen, alles nur Teil dieser WFKT), und einfach nur die Regeln der QM darauf anwendet.
Ein Kollaps ist daher nicht mehr notwendig und eine dem Kollaps ähnliche Annahme in der MWI erkenne ich hier nicht.

Das Ganze mit Worten darzulegen ist nicht immer hilfreich, aber mangels Latex Unterstützung war es mir zu mühsam es besser zu formalisieren. Ich hoffe mein Standpunkt ist einigermaßen verständlich.

Zusatz: Ich bin kein expliziter Anhänger der MWI. Ich bin offen diesbzgl. Offen heißt aber, dass ich Argumente beurteile bevor ich sie akzeptiere. S.H.'s Kritik ist für mich nicht nachvollziehbar und daher kein Grund für mich die MWI zu verwerfen, was nicht heißen soll, dass es nicht ungelöste Probleme mit der MWI gibt.
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