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Alt 17.09.08, 19:16
Sino Sino ist offline
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Standard AW: Verschränkte Teilchen - Eigenschaften bei der "Geburt"

Hmm, um auf das EPR-Experiment und den Sockenvergleich von Uli auf Seite1 dieses Threads zurückzukommen:

Das EPR-Experiment hat meines Verständnisses nach doch gerade gezeigt, dass verschränkte Teilchen sich keineswegs wie Socken verhalten, also das wenn eine Person zwei verschiedenfarbene Socken trägt, man automatisch aus der Kenntnis der Farbe des einen Socken auf die Farbe des anderen schliessen kann.

Meiner Meinung nach muss man in der Quantenmechanik so tun, als ob die Person bis zum Zeitpunkt der Messung eine Socken-Superposition aus grün-rechts/rot-links und rot-rechts/grün-links trägt.

Beim EPR-Experiment misst man den Spin der Teilchenpaare ja in beiden Zweigen in verschiedenen Richtungen. Das ganze wiederholt man ja viele Male.

Nun zeigt sich, dass die Messung im Zweig A auswirkungen auf die Wahrscheinlichkeitsverteilung der Messungen im Zweig B hat. Wenn man z.b. die Spin-Messung in Zweig A rausnimmt, die den Spin "fixiert", dann ergibt sich im Zweig B wieder die 50/50 Verteilung, also die Hälfte der Teilchen haben Up und die andere Hilfte Down-Spin. Baut man die Spin-Messung in Zweig A wieder ein, dann verändert sie dieses 50/50 Verhältnis, sofern die Spin-Messung nicht in die gleiche Richtung erfolgt.

So habe ich zumindest das EPR-Experiment bisher verstanden.


P.S.: Mir gefällt Everetts Viele-Welten-Standpunkt bisher auch am besten und ich grübele sehr viel darüber nach. Habe eigentlich erst kürzlich erfahren, dass die Idee von Everett stammt. Mir hat der Vorgang der Messung, der einen Kollaps der Wellenfunktion verursacht bzw. die Superposition zerstört, nie gefallen. Ab dem Punkt, wo wir eine Messung vornehmen, glaube ich auch vielmehr, dass sich eine Korrelation zwischen dem Quantensystem der Messaparatur und der gesamten Umwelt als auch dem menschlichen Beobachter herstellt. Damit ist man praktisch in einer Alternative gefangen.
Die zweite Alternative "Teilchen hat entgegengesetzen Spin, die Messaparatur hält es fest und ich und meine Umwelt nehmen das auch widerspruchsfrei so war." wird dann durch einen anderen Zustandsvektor beschrieben. Diese Wirklichkeit würde sich mir aber entziehen. Ein anderes Ich würde in dieser Wirklichkeit vielleicht leben bzw sie erleben.
Mit der Wahrscheinlichkeit ist es dann so, dass sie sich daraus ergibt, dass das wahrscheinlichere Ereignis in mehr Zuständen vorkommt, so dass das Bewusstsein, dass sich mit der Zeit von seinem altem Zustand zu einem der möglichen Folgezustände hangelt, die wahrscheinlicheren Ereignisse auch häufiger erleben würde als die Unwahrscheinlichen. Das wäre dann bei nahzu jedem alternativen Bewusstsein der Fall.

Allerdings haben wir wohl derzeit keine Aussicht, das Phenomen Ich und Bewusstsein zu klären. Genauso wichtig und schwer ist die Frage, was Zeit ist und wie sie entsteht. Man könnte auf dem Standpunkt stehen, dass die Wellenfunktion, die unser Universum beschreibt, praktisch schon feststeht von Anfang bis Ende, und das Zeit nur "Einbildung" ist, genau wie möglicherweise der Kollaps der Wellenfunktion. Da wär dann natürlich die Frage, warum unser Bewusstsein eine Zeitwahrnehmung entstehen lässt, wir also nur den Eindruck haben, in diesem Moment zu leben.

Ok, genug philosophiert. Was mich momentan auch interessiert, ist ob sich die gesamte Thermodynamik nicht genau so herleiten lässt, wie oben beschrieben. Also dass nach Viele-Welten-Standpunkt einfach nur mehr Folgezustände entstehen müssen, in denen die Entropie zunimmt, so dass ein Beobachter, der sich mit der Zeit durch die Zustandsvektoren, die dieses (Quanten-)Universum beschreiben, würfeln würde, nicht automatisch die Thermodynamik so wahrnehmen würde, wie sie ist.

Ok, nun genug philosophiert.

Geändert von Sino (17.09.08 um 19:21 Uhr)
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