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Wissenschaftstheorie und Interpretationen der Physik Runder Tisch für Physiker, Erkenntnis- und Wissenschaftstheoretiker

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  #1  
Alt 20.06.10, 14:51
future06 future06 ist offline
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Standard VWT/Parelleluniversen, David Deutsch

Ich habe mich die letzten Tage mit David Deutsch beschäftigt "Physik der Welterkentnis" und versuche momentan die zugrundeliegenden Prinzipien seiner Parallelwelten zu verstehen. Mein Verständnis bisher:

- jedes Teilchen existiert in vielfacher (unendlicher?) Ausführung, wobei jede Ausführung in einem der Paralleluniversen an einen bestimmten Ort lokalisiert ist. Daraus folgt eigentlich, dass ein erzeugtes Teilchen immer in allen Paralleluniversen erzeugt werden muss. Das Gleiche gilt für die Vernichtung eines Teilchens.

- Die verschiedenen Ausführungen der Teilchen können miteinander interferieren, wenn sie nahe genug beisammen sind, d.h. sie befinden sich zwar in jeweils unterschiedlichen Universen, jedoch dort jeweils am fast selben Ort und bewegt sich mit der (fast) selben Geschwindigkeit. Die unterscheidlichen Universen dürfen sich auch sonst kaum unterscheiden, evtl. nur in der Position diesen einen Teilchens.

Das Doppelspaltexperiment (mit den Spalten S1 und S2) wäre dann so zu interpretieren:
Ein Photon P1 wird im Universum U(1) erzeugt, ebenso in U(2). U(1) und U(2) unterscheiden sich nur minimal und zwar in der Position von P1. In U(1) nenne ich es P1(1), entsprechend P1(2) in U(2). P1(1) geht durch den oberen Spalt in U1, P1(2) durch den unteren Spalt in U(2). Nach dem Spalt intereferieren sie (obwohl sie verschiedenen Universen angehören) und werden jeweils mit einer durch die Schrödingergleichung bestimmte Auftrittswahrscheinlichkeit am Detektor gemessen. In U(1) an einer anderen Stelle als in U(2). Dadurch trennen sich U(1) und U(2) deutlich. Werden jetzt nacheinander weitere Photonen P2, P3, P4, ...durch den Doppelspalt geschickt, entsteht mit der Zeit das bekannte Interferenzmuster in U(1) und U(2).

Warum wird aber das Interferenzmuster gestört, wenn der Durchgang des Photons nach dem Spalt S1 gemessen wird?

Angenommen es sitzt ein Detektor hinter dem Spalt S1 in U(1) und U(2). Das Photon wird ja nur dann vom Detektor gestört, wenn es in dem entsprechenden Universum (z.B. in U(1)) durch S1 geht. Wenn es in U(1) durch S2 geht, geht sein Partnerphoton in U(2) durch S1, und wird in U(1) vom Detektor nicht gemessen und müsste dann ganz normal interferieren. Im Durchschnitt wäre somit durch die Messung in jedem der Universen U1 und U2 die Hälfte der Photonen gestört und nicht mehr interferenzfähig. Somit müsste sich das Interfenerzmuster abschwächen aber es dürfte nicht verschwinden.

Wo ist mein Denkfehler bzw. Verständnisproblem?
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  #2  
Alt 20.06.10, 15:45
future06 future06 ist offline
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Standard AW: VWT/Parelleluniversen, David Deutsch

Zitat:
Zitat von future06 Beitrag anzeigen
Angenommen es sitzt ein Detektor hinter dem Spalt S1 in U(1) und U(2). Das Photon wird ja nur dann vom Detektor gestört, wenn es in dem entsprechenden Universum (z.B. in U(1)) durch S1 geht. Wenn es in U(1) durch S2 geht, geht sein Partnerphoton in U(2) durch S1, und wird in U(1) vom Detektor nicht gemessen und müsste dann ganz normal interferieren.
OK, mir ist es soeben klar geworden. Wenn P nicht in U(1) an S1 gemessen wird, dann in U(2). Somit ist die Interferenz ebenso unmöglich. Und zwar immer in U(1) und U(2), egal ob P in U(1) oder U(2) gemessen wird.

Wie aber der Quantenradierer mittels der Interpretation von D. Deutsch erklärt werden soll, ist mir unklar. Ein starkes Argument für die Paralleluniversen bzw. VWT ist jedoch der Quantencomputer. Weil hier ja wirklich parallele Berechnungen durchgeführt werden. Wo sonst sollten die Algorithmen ablaufen, wenn nicht in parallelen Universen.

Weitere Frage: wieviele Raumdimensionen benötigt das "Multiversum" nach Deutsch? Nach meinem (Laien-)Verständnis müsste eine zusätzliche Raumdimension ausreichen.
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  #3  
Alt 21.06.10, 00:50
RoKo RoKo ist offline
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Standard AW: VWT/Parelleluniversen, David Deutsch

Hallo future,
Zitat:
Zitat von future06 Beitrag anzeigen
Ich habe mich die letzten Tage mit David Deutsch beschäftigt "Physik der Welterkentnis" und versuche momentan die zugrundeliegenden Prinzipien seiner Parallelwelten zu verstehen. Mein Verständnis bisher:

- jedes Teilchen existiert in vielfacher (unendlicher?) Ausführung, wobei jede Ausführung in einem der Paralleluniversen an einen bestimmten Ort lokalisiert ist. Daraus folgt eigentlich, dass ein erzeugtes Teilchen immer in allen Paralleluniversen erzeugt werden muss. Das Gleiche gilt für die Vernichtung eines Teilchens.

- Die verschiedenen Ausführungen der Teilchen können miteinander interferieren, wenn sie nahe genug beisammen sind, d.h. sie befinden sich zwar in jeweils unterschiedlichen Universen, jedoch dort jeweils am fast selben Ort und bewegt sich mit der (fast) selben Geschwindigkeit. Die unterscheidlichen Universen dürfen sich auch sonst kaum unterscheiden, evtl. nur in der Position diesen einen Teilchens.

...

Wo ist mein Denkfehler bzw. Verständnisproblem?
Der Denkfehler (ob deiner oder der von Deutsch) liegt in obigen Annahmen. Die verschiedenen Zweige des Multiversums (wenn es denn existiert) können sich nicht gegenseitig beeinflussen.

Daraus folgt, dass

Zitat:
Ein starkes Argument für die Paralleluniversen bzw. VWT ist jedoch der Quantencomputer. Weil hier ja wirklich parallele Berechnungen durchgeführt werden. Wo sonst sollten die Algorithmen ablaufen, wenn nicht in parallelen Universen.
überhaupt kein starkes Argument ist.
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  #4  
Alt 21.06.10, 15:13
future06 future06 ist offline
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Zitat:
Zitat von RoKo Beitrag anzeigen
Der Denkfehler (ob deiner oder der von Deutsch) liegt in obigen Annahmen. Die verschiedenen Zweige des Multiversums (wenn es denn existiert) können sich nicht gegenseitig beeinflussen.
Ich versuche momentan nur die Konzepte zu verstehen, deswegen stelle ich ja keine eigenen Annahmen/Hypothesen auf. Die Annahme, dass sich Teilchen, die in unterscheidlichen Universen lokalisiert sind, gegenseitig beeinflussen können, stammt von D. Deutsch. Er argumentiert ja sinngemäß so: Das Phänomen "Interferenz" wird beobachtet (Experiment). Um es zu erklären stellt er die Hypothese der Paralleluniversen auf - mit der Besonderheit, dass Teilchen in jeweils unterschiedlicher Ausführung/Kopie in jedem dieser Paralleluniversen existieren und sich gegenseitig beeinflussen können, wenn sie nahe genug beisammen (*) sind und dieselbe Geschwindigkeit haben. Diese Beeinflussung kann man als Interferenz messen bzw. erkennen. Die Frage ist doch jetzt erstmal, die innere Logik bzw. Widerspruchsfreiheit dieser Hypothese mit der Empirik zu bestätigen bzw. zu prüfen. Erst dann kann ich von einem Denkfehler sprechen. Die Annahme per se ist m.E. noch kein Denkfehler.

Zu (*): "Nahe genug beisammen" verstehe ich, etwas formaler ausgedrückt so: Statt von einem 3D-Raum mit (X,Y,Z) Beschreibung auszugehen, liegt ein 4D-Raum mit (W,X,Y,Z) vor.
Ein Teilchen P mit (w,x,y,z) liegt somit "nahe" bei seinem Partnerteilchen P' mit (w',x',y',z') mit w' <> w und d(p,p') < S. "S" wäre eine Schranke, die nicht unbedingt ein Schwellwert sein muss, sondern die Stärke der Beeinflussung festlegen könnte. d(x,y) ist die euklidsche Distanz im 4D-Raum.
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  #5  
Alt 21.06.10, 19:05
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Standard AW: VWT/Parelleluniversen, David Deutsch

Hallo RoKo!
Zitat:
Zitat von RoKo Beitrag anzeigen
Der Denkfehler (ob deiner oder der von Deutsch) liegt in obigen Annahmen. Die verschiedenen Zweige des Multiversums (wenn es denn existiert) können sich nicht gegenseitig beeinflussen.
Wie kommst Du denn darauf? Ist etwas, - was nur indirekt über seine Eigenschaften messbar ist, - "kein Einfluss"?

Entsprechend dieser Definition gibt es dann wohl auch keine Elektronen oder Atome (ganz abgesehen von "schwarzen Löchern"), - denn diese sind ebenfalls nur 'indirekt messbar'?

Mehr noch: Nach dieser Festlegung muss 'wirklich alles',- was nur mittelbar messbar ist, grundsätzlich im gleichen Universum stattfinden. Dagegen ist natürlich überhaupt nichts einzuwenden und es wäre nur logisch - Aber man sollte dann stets dazu erwähnen, das diese 'universale Einbeziehung' nicht der herrschenden, von den klassischen Naturwissenschaften geprägten lokal-realistischen Sichtweise entspricht. Es kommt ja schließlich nicht von ungefähr, dass das "herrschende naturw. Weltbild" so seine Probleme damit hat, 'nicht-lokale' Phänomene in diese "beschränkte Universumsdefintion" mit einzubeziehen.

In dieser Hinsicht halte ich es daher - zunächst - für sehr angebracht, den Begriff des "Multi(-Uni)versums" oder die populären "parallelen Universen" zuzulassen, da diese noch nicht in unserer Sicht auf die Welt integriert sind. Vielleicht wird es eines Tages nicht mehr nötig sein. Kurzum: Ich halte es mehr für ein "geistiges" Problem, als ein physikalisches.


Zitat:
Zitat:
Zitat:
Ein starkes Argument für die Paralleluniversen bzw. VWT ist jedoch der Quantencomputer. Weil hier ja wirklich parallele Berechnungen durchgeführt werden. Wo sonst sollten die Algorithmen ablaufen, wenn nicht in parallelen Universen.
überhaupt kein starkes Argument ist.
Wie willst Du denn bitte 'lokalrealistisch erklären', das etwas am gleichen Ort verschiedene Messergebnisse gleichzeitig liefern kann?


Hallo future!
Zitat:
Zitat von future06 Beitrag anzeigen
Wo ist mein Denkfehler bzw. Verständnisproblem?
zunächst Dein Kardinalfehler:
Du versuchst die (klassisch naturw.) 'Fiktion' einer Trennung von Subjekt und Objekt aufrecht zu halten, indem Du eine 'logisch mögliche' Sichtweise als 'objektiver Beobachter' außerhalb von U1 + U2 einnimmst. (Realismus) Diese ist jedoch 'physikalisch unmöglich' und bildet nicht das Experiment ab. (über etwaig mögliche Bewusstseinszustände möchte ich hier keine Aussage treffen). Deine Beobachtung (=Messung = "in-Beziehung-Setzung") ist entweder in U1 oder U2 (einschließlich Deiner selbst) fokussiert. Daraus ergibt sich dann die richtige Formulierung: Sobald der Weg der "schattenhaften Photonen" (bitte beachte: es sind stets (sehr) viele Universen beteiligt) gestört (gemessen) wird, verschwinden die Interferenzen (weitgehend) in 'Deinem beobachtenden U1' (und umgekehrt)

Imho weitere Missverständnisse:
  • Photonen, Elektronen, etc. sind keine "Teilchen" sondern 'Quantensysteme' die - je nach Kontext (Verschränkung / Dekohärenz mit dem Beobachterquantensystem) mal dem Beobachtersystem Teilcheneigenschaften zeigen können, - oder auch nicht. Ein "Teilchen" darf NIE allein betrachtet werden, - es (be)steht oder (ver)fällt in Zusammenhang mit dem Beobachtersystem (Dekohärenz)
  • es ist nie schwarz oder weiß: Es gibt immer Interferenzen mit parallelen Universen (folglich auch in einem "Einfach-Strahl") D. Deutsch nennt hier das Beispiel mit der Taschenlampe und dem Lichtstrahl der immer weiter "verdünnt" wird. Sehr aufschlussreich auch das Verhalten eines "einzelnen" Photons (und die Änderung im Interferenzmuster), wenn man 3, 4, - immer mehr Schlitze offen lässt.

Grüße @all
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Warum soll sich die Natur um intellektuelle Wünsche kümmern, die "Objektivität" der Welt des Physikers zu retten? Wolfgang Pauli
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  #6  
Alt 21.06.10, 23:21
RoKo RoKo ist offline
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Standard AW: VWT/Parelleluniversen, David Deutsch

Hallo Gandalf,

Zitat:
In dieser Hinsicht halte ich es daher - zunächst - für sehr angebracht, den Begriff des "Multi(-Uni)versums" oder die populären "parallelen Universen" zuzulassen,
.. ich lasse mich doch auf den Begriff des Multiversums ein. Meine Referenz zur VWI ist allerdings H.D.Zeh. Die auf seiner Homepage (www.zeh-hd.de) befindlichen Texte habe ich weitgehend gelesen. Sofern ich nichts mißverstanden habe (diese Gefahr besteht bei den interessanteren englischen Texten leider), habe ich dort keinerlei Hinweise auf Wechselwirkungen zwischen den dynamisch unabhängigen Zweigen des Multiversums entdecken können.

Zitat:
Wie willst Du denn bitte 'lokalrealistisch erklären', ...?
Wie kommst du darauf, dass ich etwas 'lokalrealistisch erklären' möchte? Das liegt mir völlig fern.

Zitat:
...etwas am gleichen Ort verschiedene Messergebnisse gleichzeitig liefern kann?
Worauf beziehst du dich da? Wenn ich z.B. am gleichen Ort gleichzeitig Temperatur und Luftdruck messe, dann habe ich immer verschiedene Messergebnisse.
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Unendliche Genauigkeit ist eine Illusion
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  #7  
Alt 22.06.10, 18:29
future06 future06 ist offline
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Standard AW: VWT/Parelleluniversen, David Deutsch

Hallo Gandalf,
wie du siehst, habe ich mir das Buch besorgt und bin jetzt von D. Deutsch ebenso fasziniert wie von A. Zeilinger nachdem ich seine Bücher gelesen habe.

Zitat:
Zitat von Gandalf Beitrag anzeigen
Hallo future!
zunächst Dein Kardinalfehler:
Du versuchst die (klassisch naturw.) 'Fiktion' einer Trennung von Subjekt und Objekt aufrecht zu halten, indem Du eine 'logisch mögliche' Sichtweise als 'objektiver Beobachter' außerhalb von U1 + U2 einnimmst. (Realismus) Diese ist jedoch 'physikalisch unmöglich' und bildet nicht das Experiment ab. (über etwaig mögliche Bewusstseinszustände möchte ich hier keine Aussage treffen). Deine Beobachtung (=Messung = "in-Beziehung-Setzung") ist entweder in U1 oder U2 (einschließlich Deiner selbst) fokussiert. Daraus ergibt sich dann die richtige Formulierung: Sobald der Weg der "schattenhaften Photonen" (bitte beachte: es sind stets (sehr) viele Universen beteiligt) gestört (gemessen) wird, verschwinden die Interferenzen (weitgehend) in 'Deinem beobachtenden U1' (und umgekehrt)
OK, ich sehe, es ist komplizierter als ich dachte. Ich werde das Buch wohl noch öfters zu hand nehmen müssen. Was ich aber bis jetzt an Grundannahmen rausgelesen habe ist folgendes:
1. Zu jedem Teilchen gibt es Schattenteilchen, die jeweils in parallelen Universen liegen.
2. Schattenteilchen und reale Teilchen können interferieren bzw. sich gegenseitig beeinflussen, wenn sie nahe beieinander sind. Aber nicht beliebig sondern nur die jeweiligen Partnerteilchen.
3. Paralleluniversen können sich beliebig ähnlich sein. Soweit, dass sie sich nur noch bei einem einzigen Teilchen unterscheiden.

Das Doppelspaltexperiment kann dann ganz grob so beschrieben werden:
1. In sehr sehr vielen unterschiedlichen Paralleluniversen (=PU) steht der Experimentalaufbau mit Lichtquelle, Doppelspalt usw.
2. In sehr sehr vielen dieser Universen wird zur nahezu gleichen Zeit ein Photon ausgesendet.
3. Diese Photonen nehmen in jedem der PU unterschiedliche Wege (weil die Universen sich leicht unterscheiden?), gehen durch die verschiedene Spalte und interferieren in jedem der Teiluniversen, weil sie sich nach dem Spalt wieder nahe kommen.
4. Dann erscheint in jedem dieser vielen PU ein Interferenzmuster.
5. Wenn an einem Spalt der Weg gestört wird (z.B. am oberen Spalt durch Messung oder Blockade des Spalts) passiert das ja ebenfalls in sehr sehr vielen Universen.
6. Danach ist in allen dieser PU die Beziehung zwischen Teilchen und Schattenteilchen gestört, weil relativ zu einem dieser PU jeweils entweder das Teilchen selbst oder sein Schattenteilchen gestört bzw. gemessen wird.

Soweit mein Verstädnis bis jetzt. Was aber daraus schon für mich folgt: es reicht eine zusätzliche Raumdimension. Ich habe im Zusammenhang mit der VWT immer mal wieder als Kritik gelesen, dass sehr viele (oder unendlich viele?) Dimensionen benötigt werden. Etwas konstruiert erscheint mir jedoch die Bedingung, dass zwischen den PU jeweils nur die Teilchen mit ihren (Partner-)Schattenteilchen wechselwirken können und nicht mit beliebigen Schattenteilchen.

Grüße!
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  #8  
Alt 22.06.10, 22:54
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Hallo Roko!
Zitat:
Zitat von RoKo Beitrag anzeigen
Meine Referenz zur VWI ist allerdings H.D.Zeh. Die auf seiner Homepage (www.zeh-hd.de) befindlichen Texte habe ich weitgehend gelesen. Sofern ich nichts mißverstanden habe (diese Gefahr besteht bei den interessanteren englischen Texten leider), habe ich dort keinerlei Hinweise auf Wechselwirkungen zwischen den dynamisch unabhängigen Zweigen des Multiversums entdecken können.
Vielleicht habe ich mich tatsächlich etwas mißverständlich ausgedrückt. Mit "messbarem Einfluss" habe ich keinesfalls 'Wechselwirkungen' gemeint, die ja energetisch kausal ablaufen müssten, sondern schon die 'dynamischen Einheiten' und 'autonomen Komponenten', von denen Zeh spricht, - die im weiteren erst zu unabhängigen Welten (und z.B. zu das wir "Teilchen" nennen) werden, - aber zumindest in dem Augenblick Einfluss aufeinander haben, in dem sie sich mit Beobachtersystemen verschränken.
Ich hab's übrigens auf 'Deutsch' gefunden http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/...ieleWelten.pdf
Zitat: Die verschiedenen "Welten" der Quantentheorie, die sich aus der Schrödinger-Gleichung ergeben, bilden also eine dynamische Einheit. Sie werden als Konsequenz dieser Dynamik erst näherungsweise unabhängig, wodurch sie in scheinbar instantanen Ereignissen ("Quantensprüngen") als unabhängige Welten entstehen

(Wie ich gerne zugebe, hat er auch bei mir zu einem besseren Verständnis der VWT beigetragen und auf Mißverständnisse hingewiesen, die D. Deutsch mit seiner 'ontologischen Beschreibungsweise' "verursacht" hat. Mich wundert nur, das Zeh allgemein eher nicht, bzw. nur in Zusammenhang mit seinem "Dekohärenzprogramm" bekannt ist)


Zitat:
Worauf beziehst du dich da? Wenn ich z.B. am gleichen Ort gleichzeitig Temperatur und Luftdruck messe, dann habe ich immer verschiedene Messergebnisse.
Ein QC bezieht sein Ergebnis 'lokal' aus der Superposition verschiedener Messergebnisse an der gleichen Eigenschaft, die nicht nur "möglich" sein dürfen, sondern IMHO (autonom) vorhanden sein müssen, um physikalisch einen Unterschied im Ergebnis erhalten zu können.

Grüße
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  #9  
Alt 22.06.10, 23:55
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Hallo future!
Zitat:
Zitat von future06 Beitrag anzeigen
Hallo Gandalf,
wie du siehst, habe ich mir das Buch besorgt und bin jetzt von D. Deutsch ebenso fasziniert wie von A. Zeilinger nachdem ich seine Bücher gelesen habe.
... kommt mir bekannt vor

Zitat:
OK, ich sehe, es ist komplizierter als ich dachte. Ich werde das Buch wohl noch öfters zu hand nehmen müssen.
... es ist eines der abgegriffensten Bücher in meinem Schrank. Allein schon der "ständige Zwang, die Erde um die Sonne kreisend zu sehen", anstatt wie gewohnt, - ist sehr inspirierend

Zitat:
Was ich aber bis jetzt an Grundannahmen rausgelesen habe ist folgendes:
1. Zu jedem Teilchen gibt es Schattenteilchen, die jeweils in parallelen Universen liegen.
Wenn Du "Teilchen" mittlerweile als etwas betrachtest, das nur über seine Eingenschaften in der Verschränkung mit einem Beobachtersystem existiert, - dann ja. Wenn Du es (noch) als unabhängiges Teil betrachtest, das für sich allein existiert, dann lies vielleicht erst mal bei Prof. H.D. Zeh: http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/...ieleWelten.pdf
Aber für das 'herantasten' an ein mögliches alternatives Weltbild taugt es schon mal.



Zitat:
3. Diese Photonen nehmen in jedem der PU unterschiedliche Wege (weil die Universen sich leicht unterscheiden?), gehen durch die verschiedene Spalte und interferieren in jedem der Teiluniversen, weil sie sich nach dem Spalt wieder nahe kommen.
Vorsicht: Wies gesagt,- das Teilchen darf nie als unabhängig (vom Hintergrund) betrachtet werden. Versuchsaufbau, Beobachter und "Teilchen" (und der Rest des Universums!!) bilden eine dynamische Einheit. Interferenzen sind nicht Wechselwirkungen (womöglich noch zwischen "Teilchen und Schlitz") im klassischen Sinn, sondern eher 'subtraktive Unterschiede', zwischen sich irreversibel verzweigenden Universen (und den Beobachtern darin). Ich sehe es so: Da für den Beobachter "der Rest des Universums" gleich erscheint, sieht er nur die "Differenzen" und setzt diese fälschlicherweise mit "Interferenz eines einzelnen Teilchens" gleich

Zitat:
4. Dann erscheint in jedem dieser vielen PU ein Interferenzmuster.
richtig, da in jedem der PU ein ensprechender Beobachter "mitreist"
Zitat:
5. Wenn an einem Spalt der Weg gestört wird (z.B. am oberen Spalt durch Messung oder Blockade des Spalts) passiert das ja ebenfalls in sehr sehr vielen Universen.
... richtig


Zitat:
Soweit mein Verstädnis bis jetzt. Was aber daraus schon für mich folgt: es reicht eine zusätzliche Raumdimension. Ich habe im Zusammenhang mit der VWT immer mal wieder als Kritik gelesen, dass sehr viele (oder unendlich viele?) Dimensionen benötigt werden.
Vielleicht hilft Dir was H.D. Zeh dazu meint:
Man darf sich die "vielen Welten" der Quantentheorie also keineswegs als räumlich getrennte Teilwelten vorstellen. Sie existieren vielmehr als getrennte Wellenpakete in dem hochdimensionalen Raum, den wir nur in unserer klassischen Erfahrung als den Raum aller Möglichkeiten (Konfigurationen) interpretieren. Der Raum der quantenmechanischen Möglichkeiten ist dann der Raum aller möglichen Wellenfunktionen über diesem hochdimensionalen scheinbaren Konfigurationsraum, denn diese (und nicht mehr die einzelnen Punkte dieses Raumes) charakterisieren die “realen” physikalischen Zustände. Der formale Raum der Wellenfunktionen wird dagegen als "Hilbertraum" bezeichnet. (In manchen kosmologischen
Modellen werden irreführenderweise auch räumlich getrennte Teiluniversen unter dem Namen Multiversum zusammengefaßt. Dieses würde aber nur eine der vielen "Welten" im Sinne der Quantentheorie, die jeweils sogar ihre eigene Raumzeit besitzen können, bilden

[QUOTE]

Zitat:
Etwas konstruiert erscheint mir jedoch die Bedingung, dass zwischen den PU jeweils nur die Teilchen mit ihren (Partner-)Schattenteilchen wechselwirken können und nicht mit beliebigen Schattenteilchen.
nunja - Interferenzen ergeben sich ja nur zwischen phasenverschobenen, 'polaren Eigenschaften', gleicher Natur (unabhängig davon, dass sich ein und das gleiche Quantensystem sich aus Elektron als auch aus Photon(en) zusammengesetzt vorstellen lässt.

Grüße
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  #10  
Alt 23.06.10, 00:55
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Hallo Gandalf,

Zitat:
Zitat von Gandalf Beitrag anzeigen
... Mit "messbarem Einfluss" habe ich keinesfalls 'Wechselwirkungen' gemeint, die ja energetisch kausal ablaufen müssten, sondern schon die 'dynamischen Einheiten' und 'autonomen Komponenten', von denen Zeh spricht, - die im weiteren erst zu unabhängigen Welten (und z.B. zu das wir "Teilchen" nennen) werden, - aber zumindest in dem Augenblick Einfluss aufeinander haben, in dem sie sich mit Beobachtersystemen verschränken.
Der Begriff "Wechselwirkung" steht allgemein für das gegenseitige aufeinander Einwirken von Systemen. Verschränkung ist die Art der Wechselwirkung von Quantensystemen untereinander. Von daher verstehe ich nun überhaupt nicht mehr, was du meinst. Ausgangspunkt war meine Aussage:
Die verschiedenen Zweige des Multiversums (wenn es denn existiert) können sich nicht gegenseitig beeinflussen ,sonst wären es keine unabhängigen Welten sondern eine Superposition in einer Welt.

Zitat:
Ich hab's übrigens auf 'Deutsch' gefunden http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/...ieleWelten.pdf
Hältst du mich für blöd?
Zitat:
Mich wundert nur, das Zeh allgemein eher nicht, bzw. nur in Zusammenhang mit seinem "Dekohärenzprogramm" bekannt ist)
Eine Suche nach Zeh & "Many Worlds" ergibt 8.500 Treffer, eine Suche nach Zeh & decoherence ergibt 20.500 Treffer.

Zitat:
Ein QC bezieht sein Ergebnis 'lokal' aus der Superposition verschiedener Messergebnisse an der gleichen Eigenschaft, die nicht nur "möglich" sein dürfen, sondern IMHO (autonom) vorhanden sein müssen, um physikalisch einen Unterschied im Ergebnis erhalten zu können.
.. allerdings nur in unabhängigen Zeigen des Multiversums.
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