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Dr. rer. nat. Günter Sturm
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Stephen Hawking stellte im Münchner
Herkulessaal sein neues Buch 'Das Universum in der Nußschale' vor.
Quanten.de
Redakteurin Birgit Bomfleur war im Auftrag der tz München dabei.
(tz vom 18.10.2001, Abdruck des
Artikels mit freundlicher Genehmigung)
Welcher Musiker gastiert da wohl, dass der Herkulessaal rappelvoll ist? Dass Menschen Freudenschreie ausstoßen, die in
letzter Minute noch eine Karte ergattert haben? - Gar keiner. Statt Musik gab's Physik. Der britische Physiker Stephen Hawking
('Eine kurze Geschichte der Zeit'), zurzeit vielleicht der Welt berühmtester Wissenschaftler, stellte sein neues Buch
'Das Universum in der Nussschale' in München vor - sein einziger Auftritt in Deutschland.
Hawking genießt seinen Auftritt, kokettiert auch schon mal mit seinem Starkult: Da wird ein Video feierlich mit Glockenklängen
eingeläutet, und Hawking (der wieder und wieder für seinen lockeren, unverkrampften Stil gepriesen wird) sagt uns, warum er
den Nobelpreis zwar gerne hätte, aber dann bittesehön für Physik und nicht für Literatur: Weil letzterer nicht so angesehen ist.
(Günter Grass wird's ihm verzeihen.) Gelächter im interessierten Publikum.
Hawkings Ziel: die Weltformel, die Erklärung von Entstehung, Verlauf und Ende des Universums. Man bewundert ihn für seine
Genialität - und dafür, wie er sein Leben meistert. Wie der Ehemann und dreifache Vater mit seiner Nervenkrankheit umgeht,
wie der schwerst Gelähmte, der hilflos an den Rollstuhl gefesselt ist, mit den Augen Schalk und Charme versprüht:
Das baut Berührungängste ab und sorgt für eine lockere, konzentrierte Atmosphäre.
Wie "spricht" Hawking, der ja seit einem Luftröhrenschnitt 1986 nicht mehr sprechen kann und nur kaum erkennbar zwei Finger
bewegen kann? - Mit einer Art hoch sensibler Computer-Maus fügt er Worte zu Sätzen zusammen, die dann eine Tonbandstimme
übermittelt. Doch der erste Satz wollte und wollte nicht erklingen. Als er endlich raus war ('Can you hear me?') rechnete
mancher in Gedanken wohl schon hoch: Bei diesem Tempo sitzt man hier bis morgen früh. Doch zum Glück ging's danach schneller.
Hawkings Vortrag war eine Zusammenfassung seines Buches, in dem er die neuesten Theorien zur Erklärung des Universums beschreibt.
Er fasziniert mit seinen Ausführungen über Schwarze Löcher und 'Branwelten'. Dass man nicht alles versteht, spielt da kaum eine Rolle.
Gegen Ende zeigt er eine Animation, die vereinfacht gesagt eine mögliche Entstehung unseres Universums vorstellt: Ein alter Mann
mit Heiligenschein und Rauschebart (nennen wir ihn hier mal Gott) bläst einen Luftballon auf, also unser Universum. Bleibt zu hoffen,
so Hawking, 'dass niemand mit einer kosmischen Nadel in die Blase piekst' - ein Teufelchen mit Dreizack wartet schon...
Wer geglaubt hatte, dass jetzt Schluss wäre (Beifall gab's schon), sah sich zum Glück getäuscht. Denn als Bonmot folgte ein Film,
in dem Hawking auf dem Raumschiff Enterprise pokert. Seine Partner: Einstein, Newton und Data. Hawking hat übrigens gewonnen -
und beim Publikum sowieso. Standing Ovations.
(Birgit Bomfleur, tz München vom 18.10.2001, Seite 16, mit freundlicher Genehmigung.)
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